📚 DVD des Monat – „Nokan – die Kunst des Ausklangs“

„Nokan – die Kunst des Ausklangs“
von Yōjirō Takita (2008, Gewinner des Auslands-Oskar 2009)

Ein nach der Auflösung seines Orchesters arbeitsloser japanischer Cellist namens Daigo muss sein geliebtes Instrument verkaufen und einen neuen Job suchen. Mit seiner Frau Miko zieht er von Tokio in das Haus seiner verstorbenen Mutter in der Präfektur Yamagata um. Dort, nichtsahnend, bewirbt er sich auf ein Stellenangebot „Hilfe bei der Reise“ und landet bei einem Bestatter, wo er die rituelle Waschung und Einsargung Verstorbener (Nokan) verrichtet.

Diese Aufbahrungsszenen geraten zu einem Herzstück des Films, aber wegen der gesellschaftlichen Ächtung des Berufs, den viele als „unrein“ betrachten, muss der Protagonist lernen, sich dem gesellschaftlichen Druck zu widersetzen. Am Anfang schämt er sich, sogar seiner Frau zu sagen, womit er nun sein Geld verdient.

Der Film geht also um Verlust (Menschen, Cello, Beruf, Status…), aber schließlich auch um Versöhnung (mit seinem Vater und seiner Ehefrau) und um Selbstfindung.

💡 Besonders hilfreich:
Dieser emotional tiefgründige und ästhetisch inszenierte Film zeigt die traditionellen, hoch konzentrierten Rituale eines japanischen Bestatters, die für uns überraschend wirken, jedoch Balsam für die Seele der Hinterbliebenen sind, denn sie helfen ihnen, loszulassen. Die Zurüstungen für die letzte Reise sind auch eine Geste der Nächstenliebe, die tief ins Herz einer (für uns weitgehend fremden) Kultur blicken lässt, in welcher die Würde sich wesentlich in der äußeren Erscheinung manifestiert.

📖 Unser Eindruck:
Der Film besticht durch seine sensible, respektvolle und beinahe meditative Herangehensweise an die Tabuthemen Tod und Trauer. Feinsinniger Humor und passend melancholische Cello-Klänge lockern die Stimmung immer wieder auf. Der Film wirkt wie ein universelles Kammerspiel, das persönliche Hilflosigkeit im Umgang mit Verlust einfühlsam einfängt.

„Geschaut und empfohlen von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter“